Was war die proletarische Wende?

Ein Beitrag zur Mentalitätsgeschichte der bundesrepublikanischen Linken

Die Proletarische Wende nach 1968 umfasste einerseits die breite Hinwendung der intellektuellen Linken (bis weit ins progressive Bürgertum hinein) zur Geschichte und Kultur der Arbeiterschaft, andererseits für die radikale Linke auch den Versuch der Etablierung von Kommunikationsstrukturen mit der (Industrie-)Arbeiterschaft, die Konstituierung hermetischer Organisationsformen (K-Gruppen) und diverse kulturelle Transformationen. Gegen jede leichtfertige Psychologisierung und Moralisierung wirft der Autor einen gründlichen Blick auf Westberlin und die Bundesrepublik in den Jahren 1969/70 und nimmt die objektiv-historischen, gesellschaftlichen Bedingungen ebenso wie den (seinerzeit raschen) Wandel der Begrifflichkeiten, Codes und Räume der Protestbewegung in den Blick, um – jenseits von Koenen und Kraushaar – eine neue Geschichte der Linken im langen ´Roten Jahrzehnt´ zu schreiben.

Über die Autor:innen

Sven Gringmuth wurde 1981 in Wissen/Sieg geboren, er studierte Germanistik, Geschichte und Pädagogik an der Universität Siegen und promovierte 2019 dort mit dieser Arbeit zur Begriffs- und Mentalitätsgeschichte der Proletarischen Wende 1968 ff.
Von 2010 bis 2019 war er als Lehrkraft für besondere Aufgaben und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Germanistischen Seminar der Universität Siegen beschäftigt, bevor er Ende 2019 in den Schuldienst nach Baden-Württemberg wechselte. Seither ist er dort als Lehrer an einer beruflichen Schule angestellt, zudem (seit dem Wintersemester 2024) als Akademischer Mitarbeiter am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Pädagogischen Hochschule (PH) Karlsruhe. Er beschäftigt sich seit langem – im inner- und außerakademischen Rahmen – mit dem Zusammenhang von Protestbewegungen und gesellschaftlichem Wandel in der alten Bundesrepublik.