Kommunale Finanzkrise und lokale Austerität

Ein historisch-geographischer Analyserahmen

Rekorddefizite, Investitionsrückstände und weitreichende Kürzungsvorschläge: Nach Jahren der oberflächlichen Entspannung befinden sich die Kommunalfinanzen in Deutschland wieder in einer akuten Krise. Ungeachtet steigender Anforderungen an den lokalen Staat droht eine neue Welle extremer Sparsamkeit – und damit eine Fortführung und Zuspitzung jener Austeritätspolitik, die bereits seit Jahrzehnten weitreichende Folgen für Demokratie, Alltag und Gesellschaft hat.
Vor diesem Hintergrund rekonstruiert Felix Wiegand in seiner Grundlagenarbeit aktuelle und vergangene, insbesondere internationale Debatten der kritischen Sozialwissenschaften, Geographie und Stadtforschung, die sich mit dem Zusammenhang von staatlicher bzw. kommunaler Finanzkrise und lokaler Austerität beschäftigen – von der Finanzkrise der Stadt New York City in den 1970er-Jahren bis zur Krise des urbanen Neoliberalismus in der Gegenwart. Dabei zeigt der Autor, dass Finanzkrisen sowohl das Produkt gesellschaftlicher Widersprüche als auch ein Prozess politischer Auseinandersetzungen sind. Wiegand erklärt nachvollziehbar, wie Austerität als Diskurs, Projekt und Regime seine Wirkung entfaltet und welche Rolle darin Fragen der Zeitlichkeit und Räumlichkeit einnehmen. Der von ihm entwickelte historisch-geographische Analyserahmen ermöglicht, kommunale Finanzkrisen und lokale Austerität systematisch in ihrer Komplexität zu erfassen und so zukünftige empirische Untersuchungen anzuleiten.
 

Über die Autor:innen

Felix Wiegand ist Sozialwissenschaftler, Stadt- und Wohnungsforscher. Aktuell arbeitet er als Postdoc im DFG-Graduiertenkolleg „Gewohnter Wandel" am Institut für Sozialforschung (IfS) in Frankfurt am Main und baut dort ein transdisziplinäres Wohnlabor auf. Seine Forschungsschwerpunkte sind Fiskalgeographie und (lokale) Austerität, Wohnungs- und Kommunalpolitik sowie die Geschichte kritischer Geographie und Stadtforschung.